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AnamneseArchiv der Psychologie

Mindestens zwei Zeichen

Akte 008 · Kognitionspsychologie

Daniel Kahneman

Daniel Kahneman, 2009, Foto: nrkbeta
Daniel Kahneman

Abb. 1 — CC BY-SA 2.0 · Foto: nrkbeta


Im besetzten Paris, irgendwann im Winter 1941 oder 1942, war ein jüdischer Junge nach der Ausgangssperre auf der Straße unterwegs, den gelben Stern nach innen gedreht. Ein deutscher Soldat in schwarzer Uniform winkte ihn heran, hob ihn hoch, umarmte ihn, zeigte ihm das Foto eines Jungen, gab ihm Geld und ließ ihn gehen. Daniel Kahneman hat diese Szene als frühen Beleg dafür beschrieben, was ihn ein Leben lang beschäftigte: dass Menschen kompliziert sind und ihr Verhalten sich nicht aus einer Kategorie ergibt.

Kahneman wurde am 5. März 1934 in Tel Aviv geboren, während eines Verwandtenbesuchs seiner Mutter, und wuchs in Frankreich auf, wo der Vater als Chemiker in einer Kosmetikfabrik arbeitete. Die Besatzung überlebte die Familie im Versteck, zuletzt in einem Hühnerstall an der Riviera; der Vater, einmal bereits interniert und durch Intervention seines Arbeitgebers freigekommen, starb 1944 an unbehandeltem Diabetes, wenige Wochen vor der Landung der Alliierten. 1948 zog die Familie nach Palästina, Tage vor der Staatsgründung Israels. Wer nach den Bezugspunkten dieser Biographie sucht, findet sie früh.

Er studierte Psychologie und Mathematik in Jerusalem und leistete seinen Militärdienst in der Psychologieabteilung der israelischen Streitkräfte. Dort sah er zum ersten Mal, wie sicher sich Beurteiler sein können, wenn ihre Urteile nichts taugen: Offiziere sagten die Eignung von Rekruten aus einer Gruppenübung mit großer Überzeugung vorher — und die Vorhersagen trafen kaum zu. Kahneman nannte das später die Illusion der Gültigkeit und entwarf als Zwanzigjähriger ein strukturiertes Interview, das die Eindrücke der Beurteiler in einzelne, getrennt bewertete Merkmale zerlegte. Es funktionierte besser als jedes freie Urteil und blieb, in weiterentwickelter Form, jahrzehntelang im Einsatz — sein erster Beitrag zur Psychologie war eine Checkliste gegen die eigene Zunft.

Nach der Promotion in Berkeley kehrte er als Dozent nach Jerusalem zurück. 1969 lud er den jüngeren Kollegen Amos Tversky in sein Seminar ein — der Beginn der Zusammenarbeit, die beide berühmt machte. Über mehr als ein Jahrzehnt schrieben sie gemeinsam, oft Satz für Satz an einem Schreibtisch: 1974 die Übersicht über Urteilsheuristiken in Science, 1979 die Prospect Theory in der Econometrica, 1981 die Framing-Aufsätze. Kahneman hat die Werkstatt dieser Jahre oft beschrieben — zwei Männer, ein Notizblock, endloses Gehen und Gelächter — und ebenso offen die Entfremdung der späteren Jahre, als Ruhm und Zuschreibungen sich ungleich verteilten. Die Versöhnung kam knapp: Tversky starb 1996 mit 59 Jahren; der Wirtschaftsnobelpreis 2002 wird nicht postum vergeben. Kahneman hat in jeder Würdigung darauf hingewiesen, dass die Arbeit gemeinsam war.

Für den Umgang mit Gegnern erfand er ein eigenes Format: die adversariale Kollaboration. Statt Repliken zu tauschen, sollten Kontrahenten gemeinsam ein Experiment entwerfen, dessen Ausgang beide vorab als beweiskräftig anerkennen — und gemeinsam publizieren, was auch immer herauskommt. Kahneman hat das mehrfach selbst praktiziert, unter anderem mit Kritikern seiner Urteilsforschung, und bis zuletzt dafür geworben, Streit in Studiendesign zu übersetzen statt in Fußnoten.

Sein zweites Werkleben führte er in Princeton und auf eigene Rechnung. Mit Anne Treisman, der Aufmerksamkeitsforscherin, die seine zweite Frau wurde, wechselte er zwischen den Küsten; mit dem Ökonomen Angus Deaton vermaß er das Verhältnis von Einkommen und Wohlbefinden; und mit Schnelles Denken, langsames Denken (2011) schrieb er das Buch, das die Unterscheidung von System 1 und System 2 in die Alltagssprache trug — samt eines Kapitels, dessen Priming-Belege die Replikationskrise nicht überstanden und das er 2017 öffentlich korrigierte. Sein letztes Buch Noise (2021, mit Olivier Sibony und Cass Sunstein) kehrte zum Thema seiner Militärjahre zurück: zur Streuung der Urteile, die keiner bemerkt.

Zu den späten Ehrungen gehörte 2013 die Presidential Medal of Freedom, die höchste zivile Auszeichnung der Vereinigten Staaten. Barack Obama würdigte damit einen Forscher, dessen Arbeiten Psychologie und Ökonomie dauerhaft miteinander verbunden hatten.

Kahneman starb am 27. März 2024 im Alter von 90 Jahren. Er hat sich selbst, bei aller Weltgeltung seiner Befunde, nie für einen Optimisten der Vernunft gehalten — auf die Frage, ob sein Werk ihn klüger entscheiden lasse, antwortete er regelmäßig, sein System 1 sei so störrisch wie jedes andere; der Gewinn liege allein darin, die Fehler in Ruhe benennen zu können, bevorzugt die der anderen. Es ist der seltene Fall eines Forschers, dessen bleibender Beitrag eine präzise vermessene Bescheidenheit ist.

Die ökonomische Standardtheorie ging davon aus, dass Menschen den erwarteten Nutzen maximieren: Sie bewerten Endzustände ihres Vermögens und wählen die Option mit dem höchsten gewichteten Wert. Das war keine Behauptung über Psychologie, sondern ein Axiomensystem — seit von Neumann und Morgenstern das Fundament, auf dem Ökonomie, Versicherungsmathematik und Entscheidungstheorie standen. Anomalien waren bekannt — Maurice Allais hatte schon 1953 Wahlmuster vorgeführt, die die Axiome verletzen —, galten aber als Randerscheinungen. Kahneman und Tversky stellten 1979 eine schlichte Frage — stimmt das Fundament? — und beantworteten sie mit Aufgaben, die man Studierenden vorlegen kann.

Die Zusammenarbeit dahinter hat ihre eigene Gründungsszene: 1969 lud Kahneman den jüngeren Kollegen Tversky in sein Seminar in Jerusalem ein, um über die Frage zu streiten, ob Menschen intuitiv gute Statistiker sind. Tversky vertrat die freundliche Auffassung des Fachs; Kahneman, geschult an den Fehlurteilen seiner Militärgutachter, widersprach. Der Streit wurde ein Jahrzehnt gemeinsamen Schreibens — oft Satz für Satz an einem Schreibtisch, mit einem Gelächter, das Kollegen durch die Tür hörten. Die Heuristiken-Übersicht in Science 1974 war der erste Weltruhm; die Prospect Theory, 1979 ausgerechnet in der Econometrica publiziert, der Zeitschrift der Gegenseite, war der Angriff auf das Fundament — platziert, wo ihn die Verteidiger nicht übersehen konnten.

Die Methode war unspektakulär und genau deshalb überprüfbar. Versuchspersonen bekamen Entscheidungen zwischen Lotterien vorgelegt, oft hypothetisch, in klar formulierten Paaren: 50 Prozent Chance auf 1.000 oder sicher 450? Wo die Nutzentheorie eine bestimmte Wahl vorhersagt und die Mehrheit anders wählt, liegt ein Befund vor. Es war Psychophysik der Entscheidung — dieselbe Messlogik, mit der das Fach seit Fechner Helligkeiten und Gewichte skaliert, angewandt auf Geld und Risiko.

Drei Muster traten regelmäßig auf. Erstens: Bewertet wird nicht der Endzustand, sondern die Veränderung gegenüber einem Bezugspunkt — Gewinn oder Verlust, nicht Vermögen. Zweitens: Verluste wiegen schwerer als gleich große Gewinne, nach den Schätzungen der Arbeitsgruppe etwa doppelt so schwer — die Verlustaversion, das berühmteste Einzelstück der Theorie. Drittens werden Wahrscheinlichkeiten nicht linear gewichtet: Kleine Wahrscheinlichkeiten werden überschätzt, mittlere und große unterschätzt. Zusammen ergeben die drei Annahmen eine Wertfunktion mit einem Knick am Bezugspunkt — steiler auf der Verlustseite — und erklären in einem Zug, warum dieselben Menschen Lotterielose und Versicherungen kaufen: beide Käufe handeln mit überschätzten kleinen Wahrscheinlichkeiten.

Die Wertfunktion der Prospect Theory
Abb. 2 — Die Wertfunktion: konkav über, steiler und konvex unter dem Bezugspunkt. Zeichnung des Archivs

Aus dem Knick in der Wertfunktion folgt ein Muster, das die Theorie als Vierfelder-Schema zusammenfasst: Bei Gewinnen mittlerer Wahrscheinlichkeit sind Menschen risikoscheu — sie nehmen die sicheren 450 statt der Fifty-fifty-Chance auf 1.000. Bei Verlusten derselben Größenordnung kehrt sich das um: Vor die Wahl zwischen einem sicheren Verlust von 900 und einer neunzigprozentigen Chance, 1.000 zu verlieren, gestellt, wählt die Mehrheit das Risiko — die kleine Hoffnung, ganz davonzukommen, wiegt den drohenden Mehrverlust auf. Und bei kleinen Wahrscheinlichkeiten dreht sich beides noch einmal: Hoffnung macht risikofreudig (das Los), Furcht macht risikoscheu (die Police). Vier Quadranten, ein Bezugspunkt, eine gekrümmte Gewichtung — mehr braucht das Schema nicht, um Wettannahmen, Versicherungsmärkte und das Verhalten von Prozessparteien in Vergleichsverhandlungen zu ordnen.

Daraus folgt der Effekt, der die Theorie berühmt gemacht hat. Dieselbe Lage, einmal als Gewinn und einmal als Verlust formuliert, führt zu entgegengesetzten Entscheidungen. Im Asian disease problem von 1981 wählt die Mehrheit die sichere Option, wenn von „geretteten“ Menschen die Rede ist, und die riskante, wenn dieselben Zahlen als „Sterbende“ formuliert sind. Die Rechnung ist identisch. Die Antwort ist es nicht. Für eine Theorie rationaler Wahl ist das der Ernstfall: Rationalität verlangt mindestens, dass die Beschreibung einer Lage die Entscheidung nicht umkehrt.

Der Titel des Aufsatzes war übrigens mit Bedacht nichtssagend gewählt — „Prospect Theory“ bedeutet nichts und sollte es auch nicht: Ein unverwechselbares Etikett, so Kahnemans spätere Auskunft, sei nützlicher als ein beschreibendes, falls die Theorie je berühmt würde. Auch das war angewandte Urteilspsychologie.

Die Rezeption machte aus dem Aufsatz eine Disziplin. Richard Thaler, damals ein junger Ökonom mit einer Privatliste ökonomischer Merkwürdigkeiten, fand in der Prospect Theory das Werkzeug, sie zu ordnen — der Besitztumseffekt, vorgeführt im Experiment mit den Kaffeetassen, deren Besitzer sie im Mittel etwa doppelt so hoch bepreisten wie die Käufer, wurde zum Schulbeispiel: Verlustaversion im Warenkorb. Aus dieser Verbindung entstand die Verhaltensökonomik samt ihrer politischen Anwendung, dem Nudging; 2002 erhielt Kahneman als Psychologe den Wirtschaftsnobelpreis, 2017 Thaler. Die Theorie selbst haben Kahneman und Tversky 1992 als kumulative Prospect Theory nachgebessert, mit rangabhängiger Gewichtung — die Fassung, mit der die Entscheidungsforschung heute rechnet.

In der Wirtschaft ließ sich die Reichweite der Verlustaversion an Rätseln messen, die die Standardtheorie offen gelassen hatte. Shlomo Benartzi und Thaler erklärten mit ihr das Equity-Premium-Puzzle — den historisch überhöhten Renditeabstand zwischen Aktien und Anleihen: Wer sein Depot jährlich prüft und Verluste doppelt gewichtet, verlangt für Schwankung eine Prämie, die dem Jahrhundertdurchschnitt entspricht. Terrance Odean fand in den Depotdaten von Privatanlegern den Dispositionseffekt: Gewinner werden zu früh verkauft, Verlierer zu lange gehalten — niemand realisiert gern einen Verlust, auch wenn die Steuerlogik das Gegenteil verlangt. Es sind Feldbelege einer Labortheorie, und sie gehören zu den Gründen, warum die Ökonomie den Psychologen am Ende den Preis gab.

Die Lehrbuchfassung setzt das gern mit „Menschen sind irrational“ gleich. Kahneman und Tversky haben etwas Präziseres behauptet: Die Abweichungen sind systematisch und vorhersagbar. Ein Zufallsfehler wäre kein Befund; ein Muster ist einer. Und sie haben nie behauptet, die Muster seien dumm — ein Organismus, der Verluste doppelt gewichtet, hat evolutionsgeschichtlich selten unrecht gehabt.

Der schärfste fachliche Einwand kam nicht aus der Ökonomie, sondern aus der Psychologie selbst. Gerd Gigerenzer hielt dem Programm entgegen, dass es Abweichungen von einer Norm zähle, die selbst fragwürdig sei: Viele der berichteten Fehler verschwinden, wenn man Wahrscheinlichkeiten als Häufigkeiten formuliert — statt „die Wahrscheinlichkeit beträgt ein Prozent“ also „einer von hundert“ —, und einfache Faustregeln schneiden in unsicheren Umgebungen oft besser ab als aufwendige Rechenverfahren. Kahneman und Tversky hielten dagegen, dass die Verschiebung durch Häufigkeiten begrenzt ist und die Grundmuster bestehen bleiben. Der Streit ist nie förmlich entschieden worden; geblieben ist aus ihm ein Verfahren, für das Kahneman später warb — die ausdrückliche Zusammenarbeit mit dem Gegner an einem gemeinsam vereinbarten Experiment.

Was heute steht: die Kernbefunde, und zwar gut. Die groß angelegte Replikationsstudie Many Labs 2 prüfte 2018 unter anderem das Framing-Muster an Tausenden Teilnehmenden in dutzenden Ländern und fand es deutlich bestätigt; eine internationale Direktreplikation der Originalaufgaben von 1979 kam 2020 zu demselben Ergebnis. Verlustaversion, Bezugspunktabhängigkeit und die Gewichtung kleiner Wahrscheinlichkeiten gehören zu den robusten Befunden des Fachs. Nicht unwidersprochen: Um die Reichweite der Verlustaversion ist seit 2018 eine Fachdebatte im Gang — bei kleinen Beträgen verschwindet der Effekt, und Kritiker halten ihn für enger, als die populäre Fassung behauptet. Die Akte vermerkt den Streit als das, was er ist: eine Grenzziehung, keine Widerlegung.

Kahnemans zweites Forschungsleben hat die Messlogik der Prospect Theory auf das Erleben selbst angewandt. In den Kaltwasser-Experimenten der 1990er-Jahre hielten Versuchspersonen die Hand einmal sechzig Sekunden in schmerzhaft kaltes Wasser und einmal neunzig — wobei die letzten dreißig Sekunden minimal wärmer waren. Vor die Wahl gestellt, welche Prozedur sie wiederholen wollten, wählte die Mehrheit die längere: Das erinnernde Selbst bewertet Episoden nach Höhepunkt und Ende, nicht nach Dauer. Die Peak-End-Regel und die Dauervernachlässigung wurden an ambulanten Untersuchungen bestätigt und begründeten Kahnemans späte Unterscheidung zwischen erlebendem und erinnerndem Selbst — dieselbe Botschaft wie 1979, eine Ebene tiefer: Auch im Rückblick auf das eigene Leben rechnet der Mensch nicht linear.

Was nicht steht, betrifft ein späteres Buch und stammt vom Autor selbst. In Schnelles Denken, langsames Denken hatte Kahneman ein Kapitel auf Studien zum sozialen Priming gestützt, die die Replikationskrise nicht überstanden. 2017 schrieb er öffentlich, er habe zu viel Vertrauen in unterdimensionierte Studien gesetzt, und nannte die betreffenden Befunde nicht mehr belastbar. Es ist eine der wenigen Korrekturen dieser Art, die ein Autor selbst vorgenommen hat, in aller Form und ohne Not — und sie betrifft nicht die Prospect Theory. Für ein Archiv, das Replikationsstände führt, ist diese Geste selbst ein Befund: So sieht es aus, wenn das System, das langsam denkt, dem eigenen Buch widerspricht.

Von den Heuristiken, die Kahneman und Tversky 1974 beschrieben, ist die Verankerung die unangenehmste, weil sie auch dann wirkt, wenn man sie kennt.

Der Versuchsaufbau war fast schon frech. Vor einer Schätzfrage drehten die beiden vor den Augen der Versuchspersonen ein Glücksrad, das eine Zahl zwischen 0 und 100 anzeigte. Dann fragten sie: Ist der Anteil afrikanischer Staaten in den Vereinten Nationen größer oder kleiner als diese Zahl? Und anschließend: Wie groß ist er? Die Antworten hingen von der Zahl am Glücksrad ab, obwohl alle gesehen hatten, dass sie zufällig zustande kam.

Der Mechanismus ist nicht Leichtgläubigkeit. Wer schätzen soll, sucht einen Ausgangspunkt und korrigiert von dort — und die Korrektur fällt regelmäßig zu klein aus. Der Anker muss dafür weder glaubwürdig noch relevant sein; er muss nur vorher dagewesen sein.

Wo das praktisch wird, ist offensichtlich, sobald man darauf achtet: der durchgestrichene Preis neben dem neuen, die erste Zahl in einer Gehaltsverhandlung, die Forderungshöhe in einer Klageschrift. In der Verhandlungsforschung ist der Effekt eines der zuverlässigsten Ergebnisse überhaupt. Wissen schützt nur begrenzt — die Empfehlung lautet deshalb nicht, Anker zu ignorieren, sondern den eigenen zuerst zu setzen.

Replikationsstatus: repliziert.

Die Kernbefunde der Prospect Theory sind in großen, vorregistrierten Mehrlabor-Studien bestätigt worden. Many Labs 2 prüfte 2018 unter anderem das Framing-Muster des Asian disease problem an Tausenden Teilnehmenden in dutzenden Ländern und fand einen deutlichen, stabilen Effekt. Verlustaversion und Bezugspunktabhängigkeit gehören zu den belastbaren Ergebnissen der Entscheidungsforschung.

Der Status gilt der Theorie von 1979, nicht jedem Befund, den Kahneman später referiert hat — siehe die Selbstkorrektur unten.

Primärquellen:

  • Kahneman, D., & Tversky, A. (1979). Prospect theory: An analysis of decision under risk. Econometrica, 47(2), 263–291. — Wertfunktion, Bezugspunkt, Wahrscheinlichkeitsgewichtung.
  • Tversky, A., & Kahneman (1974). Judgment under uncertainty: Heuristics and biases. Science, 185(4157), 1124–1131. — Repräsentativität, Verfügbarkeit, Verankerung; das Glücksrad-Experiment.
  • Tversky, A., & Kahneman, D. (1981). The framing of decisions and the psychology of choice. Science, 211(4481), 453–458. — Das Asian disease problem.

Replikation:

  • Klein, R. A., et al. (2018). Many Labs 2: Investigating variation in replicability across samples and settings. Advances in Methods and Practices in Psychological Science, 1(4), 443–490. — Bestätigt das Framing-Muster in großem Maßstab; zeigt zugleich, welche anderen klassischen Befunde es nicht überstanden.

Selbstkorrektur:

  • Kahneman, D. (2017). Offener Kommentar zur Priming-Forschung, veröffentlicht in der Diskussion zu Schimmack, Heene & Kesavan, Reconstruction of a train wreck. — Kahneman erklärt, er habe den unterdimensionierten Priming-Studien in Thinking, Fast and Slow zu viel Vertrauen geschenkt.

Deutschsprachig:

  • Kahneman, D. (2012). Schnelles Denken, langsames Denken. Siedler, München. — Die populäre Darstellung; Kapitel 4 ist von der Selbstkorrektur betroffen.

Übersicht: https://de.wikipedia.org/wiki/Prospect_Theory

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