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AnamneseArchiv der Psychologie

Mindestens zwei Zeichen

Thema 06

Die dritte Kraft

PsychoanalyseBehaviorismusHumanistische Psychologie

Die humanistische Psychologie hat sich ausdrücklich als dritte Kraft neben Psychoanalyse und Behaviorismus verstanden, und der Einwand, den sie gegen beide erhob, war derselbe: Ihr Bild vom Menschen sei an Kranken und an Ratten gewonnen und falle deshalb systematisch zu düster aus. Maslow formulierte das als Programm, Rogers als Verfahren, Frankl als anthropologische Position.

Die Pyramide, die Maslow nie zeichnete
Die Pyramide stammt aus der Management-Literatur, die Liste von 1943. Zeichnung des Archivs

Was sie stattdessen in den Mittelpunkt stellten — Wachstum, Sinn, die Fähigkeit zur eigenen Entwicklung —, war schwerer zu messen als Speichelfluss oder Reaktionszeit. Genau das ist der Grund, warum dieser Ordner so unterschiedliche Replikationsstände versammelt. Wo die Ansätze prüfbare Behauptungen aufstellten, sind sie geprüft worden, und die Ergebnisse fallen geteilt aus.

Rogers ist der Fall, der die Rezeption am meisten überrascht. Er gilt als Gegenfigur zur messenden Psychologie und war einer der Ersten, die Therapiesitzungen aufzeichnen ließen, um sie überprüfbar zu machen. Seine Behauptung von 1957 — drei Haltungen der Therapeutin seien notwendig und hinreichend für Veränderung — war falsifizierbar, und sie ist zur Hälfte widerlegt: Die therapeutische Beziehung sagt den Erfolg tatsächlich vorher, über alle Verfahren hinweg, aber für eine Reihe von Störungen sind spezifische Verfahren wirksamer als eine tragfähige Beziehung allein.

Maslow ist der Fall, in dem die Liste hält und die Ordnung nicht. Tay und Diener fanden 2011 in Daten von 60.865 Menschen aus 123 Ländern die Bedürfnisse wieder, die er beschrieben hatte — aber nicht die Reihenfolge, in der sie erfüllt werden sollten. Menschen berichten von tragenden Beziehungen, während materielle Sicherheit fehlt. Die Pyramide, für die ihn jeder kennt, stammt ohnehin nicht von ihm, sondern aus der Managementliteratur der 1960er-Jahre.

Frankl ist der Fall, in dem sich die Frage der Prüfbarkeit gar nicht stellt. …trotzdem Ja zum Leben sagen ist ein Zeugnis, keine Untersuchung: keine Stichprobe, keine Kontrollbedingung, keine Angabe, unter welcher Beobachtung die These falsch wäre. Prüfbar geworden ist nicht die Logotherapie, sondern das Konstrukt, das sie voraussetzt — Sinnerleben ist seit 2006 mit einem etablierten Instrument messbar und hängt in großen Stichproben verlässlich mit Wohlbefinden und Krankheitsbewältigung zusammen.

Der gemeinsame Nenner ist eine methodische, keine weltanschauliche Lehre. Wo diese Richtung eine Behauptung so formulierte, dass sie scheitern konnte, ist etwas von ihr übrig geblieben — bei Rogers die Beziehung, bei Maslow die Bedürfnisse, bei Frankl das Sinnerleben. Wo sie es nicht tat, ist die Formulierung selbst das Ergebnis geblieben.

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