Thema 10
Therapie und Wirkung
PsychoanalyseHumanistische PsychologieKlinik & Therapie
Hilft das jemandem? Es ist die Frage, auf die dieses Archiv zuläuft, und sie ist jünger, als das Fach gern zugibt. Die Psychoanalyse behandelte ein halbes Jahrhundert, ohne ihre Erfolge zu zählen; ihre Beweisführung war der gedeutete Einzelfall, und wer nach Kontrollgruppen fragte, galt als ahnungslos. Dass Behandlung sich messen lassen muss wie ein Medikament, ist eine Errungenschaft der zweiten Jahrhunderthälfte — und drei Ordner dieses Archivs erzählen, wie es dazu kam.
Den ersten Schritt machte die humanistische Psychologie, und er war technischer Natur: Carl Rogers ließ Therapiesitzungen aufnehmen und transkribieren — die Behandlung wurde zum Datensatz. Seine Bedingungen — Wärme, Echtheit, genaues Zuhören — erwiesen sich als notwendig und als nicht hinreichend; und aus den Vergleichen der Verfahren untereinander stammt das Dodo-Verdikt: Ordentlich durchgeführte Psychotherapien unterscheiden sich in ihrer Wirkung erstaunlich wenig.
Den zweiten Schritt machte Beck mit Werkzeugen. Ein Fragebogen, der der Depression eine Zahl gab; ein Manual, das die Behandlung nachbaubar machte; und 1977 die Studie, in der eine Gesprächsbehandlung erstmals randomisiert gegen das Standardmedikament bestand. Dass die Erststudie zu schön war und die große Vergleichsstudie nüchterner ausfiel, gehört zum Muster: Der Effekt ist da, er ist bedeutsam, und er ist kleiner, als die frühen Zahlen versprachen. Becks Schule hat die Korrekturen selbst mitpubliziert — die seltenste Tugend dieser Sammlung.
Ellis war früher da und hat die Prüfung anderen überlassen; Frankl hat den Sinn in die Behandlung geholt und die Messung seiner Schule den Nachfolgern; Seligman hat aus dem Tierlabor ein Depressionsmodell gebaut, es fünfzig Jahre später selbst umgedreht — und mit der positiven Psychologie eine Bewegung gegründet, deren Interventionen in der Replikationskrise erheblich Federn gelassen haben. Die Spannbreite dieses Themas reicht vom Manual bis zum Bestseller, und die Bilanzen unterscheiden sich entsprechend.
Was die großen Zahlen zeigen, ist ernüchternd und tröstlich zugleich. Psychotherapie wirkt — in Hunderten randomisierter Studien, mit mittleren Effekten, über das Behandlungsende hinaus. Warum sie wirkt, ist offen: Die Verhaltensaktivierung allein leistet in mehreren Studien ähnlich viel wie das ganze kognitive Paket, und der Vorsprung einzelner Schulen verschwindet in sauberen Vergleichen weitgehend. Und unter Alltagsbedingungen — das britische Regelversorgungsprogramm hat es in großem Maßstab vermessen — bleiben die Ergebnisse unter denen der Studien, aus denen sie abgeleitet wurden.
Für das Archiv schließt sich hier der Kreis: Was Freud im Behandlungszimmer begann, wird heute gezählt, verglichen und korrigiert. Die Frage „Hilft das?“ hat aufgehört, eine Schulfrage zu sein — sie ist eine Messfrage geworden, und das ist der Fortschritt, den dieses Thema dokumentiert.
Blätter zu diesem Thema
- Akte 001Sigmund FreudSteckbrief
- Akte 001Sigmund FreudFallakte
- Akte 001Sigmund FreudNotizzettel
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- Akte 002Carl Gustav JungSteckbrief
- Akte 002Carl Gustav JungFallakte
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- Akte 003Anna FreudSteckbrief
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- Akte 016Melanie KleinSteckbrief
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- Akte 033Karen HorneySteckbrief
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- Akte 013Carl RogersSteckbrief
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- Akte 014Abraham MaslowSteckbrief
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- Akte 015Viktor FranklSteckbrief
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- Akte 029Aaron T. BeckSteckbrief
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- Akte 029Aaron T. BeckNotizzettel
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- Akte 030Albert EllisSteckbrief
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- Akte 031Martin SeligmanSteckbrief
- Akte 031Martin SeligmanFallakte
- Akte 031Martin SeligmanNotizzettel
- Akte 031Martin SeligmanBelege
Aus dem Journal
- 1900Die Traumdeutung erscheintJeder Traum erfüllt verkleidet einen Wunsch, geformt von der Traumarbeit.Sigmund Freud
- 1906Diagnostische AssoziationsstudienAm Burghölzli wird das Zögern vor dem Reizwort gemessen — die Stelle heißt Komplex.Carl Gustav Jung
- 1932Die Psychoanalyse des KindesDas Spiel des Kindes als Äquivalent der freien Assoziation.Melanie Klein
- 1936Das Ich und die AbwehrmechanismenDie Abwehr des Ichs, geordnet zu einem Katalog, der bis heute Fachsprache ist.Anna Freud
- 1943A Theory of Human MotivationEine Rangfolge der Bedürfnisse: wirksam wird eines erst, wenn das darunterliegende gestillt ist.Abraham Maslow
- 1945Nähe, Kampf oder RückzugKaren Horney ordnet neurotische Konflikte als starre Bewegungen zu Menschen hin, gegen sie oder von ihnen fort.Karen Horney
- 1946…trotzdem Ja zum Leben sagenDer Wille zum Sinn — gegen Freuds Lustprinzip und Adlers Machtstreben.Viktor Frankl
- 1957Rationale PsychotherapieDas ABC-Schema erscheint im Druck — sechs Jahre vor Becks erster kognitiver Arbeit.Albert Ellis
- 1957Die notwendigen und hinreichenden BedingungenDie therapeutische Beziehung sagt den Erfolg vorher — hinreichend ist sie nicht.Carl Rogers
- 1967Erlernte HilflosigkeitDrei Gruppen, dieselben Schocks, ein Unterschied: Kontrolle.Martin Seligman
- 1977Therapie schlägt Tablette41 Patienten, zwölf Wochen — die Gesprächsbehandlung besteht gegen Imipramin.Aaron T. Beck
- 2011Flourish erscheintVom Glück zum Gedeihen: fünf Bestandteile statt eines Maßes.Martin Seligman